Risiko am Berg

GKMR Methode

In den letzten Jahren ist die Beurteilung der Lawinengefahr viel über die Hangsteilheit definiert worden. Statistiken belegen, dass das so nicht haltbar ist. Neue Ansätze sind notwendig.

Algorithmus-basierte Methoden wie die Grafische Reduktionsmethode haben folgende Probleme:
– Das Risiko und die möglichen Konsequenzen werden kaum Beachtung geschenkt.
– Die regionale Gefahrenstufe können nicht auf Einzelhänge projiziert werden.
– Es besteht kein Zusammenhang zwischen Gefahrenstufe und Hangsteilheit
– Lawinenproblem finden im Bezug auf Beurteilungsradius kaum eine Anwendung
Um 80% aller Lawinenunfälle hätten durch das Anwenden der Algorithmen der Grafische Reduktionsmethode verhindert werden können. Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, relativiert sich aber bei der einfachen Frage: Und was, wenn ich unter den übrigen 20% bin? Es bedarf somit vom heutigem Wissensstand eine Überarbeitung.

Die G-K-M-R Methode

1. Gefahren erkennen = Wie hoch ist die Eintretenswahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung?
2. Konsequenzen abschätzen = Wie drastisch sind die Folgen?
3. Massnahmen überlegen = Welche Massnahmen können die Eintretenswahrscheinlichkeit verringern bzw. die Konsequenzen abmildern?
4. Risiko bewerten = Wie bewerte ich abschliessend das Risiko unter Berücksichtigung des Risikolevels meiner Gruppe?

Vereinfacht gesagt gilt Risiko = Gefahr x Konsequenz.

Neu ist dabei, dass bereits in der Planung auch die Konsequenzen, die ein Lawinenabgang haben würde, eingeschätzt werden und in den ganzen Planungsprozess miteinbezogen werden. Denn das Lawinen-Risiko setzt sich immer aus der Auslösewahrscheinlichkeit und den Konsequenzen zusammen.

Fazit:
Der Ansatz ist, wie die meisten Theorien und Herangehensweisen, zum Thema Lawine auf den ersten Blick sehr komplex. Im meinen Kursen, lernst du mit dieser Methode deine Tour zu optimieren im Bereich Risikomanagement.


Der Mensch ist wahrscheinlich noch dynamischer und komplexer, als die Prozesse, die sich in der Schneedecke oder Wetterentwicklung abspielen. Jeder kennst im täglichen Leben Entscheidungsfallen. Auf einer Tour, können die zum Risiko werden. Bekannte Beispiele für solche Entscheidungsfallen sind Folgende (allgemein bekannt unter der Abkürzung FACETS):

F = Familiarity (Vertrautheit)
In der Vergangenheit angewandte, vertraute Handlungen beeinflussen unser Verhalten in der Zukunft. Ein Hang, den wir schon dutzende Male hinuntergefahren sind und der dabei nie abgegangen ist, verleitet uns dazu, ihn trotz offensichtlicher Lawinenwarnzeichen wieder hinunterzufahren.

A = Acceptance (Akzeptanz)
Bezeichnet den Drang, sich an Aktivitäten zu beteiligen, um so durch Menschen, die wir schätzen oder respektieren, wahrgenommen zu werden. In dieser Situation möchten wir andere in der Gruppe beeindrucken, was dazu führen kann, dass wir offensichtliche Warnzeichen übersehen.

C = Consistency (Konsistenz)
Entscheidungen sind viel einfacher, wenn wir sie unverändert wiederholt (konsistent) und entsprechend früherer Entscheidungen anwenden. Wir sind entschlossen, diesen einen Steilhang zu fahren, egal unter welchen Umständen.

E = Experte Halo (Vermeintliches Expertenvertrauen)
Blindes Vertrauen auf einen informellen Führer, der wichtige Entscheidungen für die Gruppe trifft. Er oder sie kann aber aus unterschiedlichen Gründen möglicherweise gar nicht die bestmögliche Entscheidung treffen.

T = First tracks (Erste Spuren)
Die Heuristik, auf die sich dies bezieht, beschreibt die Begrenztheit von Ressourcen im Verhältnis zu den Chancen/zur Häufigkeit und das Gefühl, eine günstige Gelegenheit zu verpassen. Für den Off-Pisten-Skifahrer ist das beispielsweise der „Tiefschneerausch“. Das heisst, wir wollen als Erste den unberührten Pulverschneehang abfahren und ignorieren dabei offensichtliche Lawinenwarnzeichen.

S = Social Facilitation (Soziale Geborgenheit)
Die Anwesenheit anderer Personen erhöht unsere Risikobereitschaft. Wir sehen bereits frische Spuren im Hang, den wir auch abfahren möchten. Selbst wenn die Lawinengefahr hoch ist, gehen wir automatisch davon aus, dass er sicher ist.

Natürlich ist dies keine vollständige Auflistung aller Möglichkeiten, bei denen unser Entscheidungsfindungsprozess unbewusst beeinflusst werden kann. Es gibt viele Fachliteratur zum Thema „kognitiver Verzerrungen“. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere mentale, emotionale oder körperliche Einflüsse, die unsere Entscheidungsfindung bestimmen können.

Weitere Infos unter der neu bearbeiteten Seite: https://www.snowboardcoach.ch/tourenplanung/
Aber auch im Blog Artikel über Risikoreduktionsmethoden.

Risikoreduktionsmethode

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