Risikomanagement und Tourenplanung:

Die Tourenplanung ist der Schlüssel zum erfolgreichen und sicheren Bergsteigen und Tourengehen. Sie erspart uns viele gefährliche Situationen und Schindereien. Es lohnt sich, dafür genügend Zeit zu investieren. Die Planung soll Spass machen und einen fixen Teil der Tour darstellen.

Ziel der Tourenvorbereitung ist unter anderem, eines der folgenden Urteile zu erhalten:

 

Die Idee des Risikomanagements besteht darin, die Teilrisiken aufzuspüren, zu strukturieren, zu quantifizieren und das Gesamtrisiko abzuschätzen – das freilich nie auf Null reduziert werden kann. Ziel ist der bewusste Umgang mit den grössten Risiken. Auf Ski-Snowboardtour sind dazu laufend verschiedene Überlegungen, Massnahmen und Tätigkeiten erforderlich.

Ablauf der Tourenplanung

Als erstes ein Datum und der ungefähre Ort  der Tour auswählenl. Danach Wetter und Lawinenlagebericht des Wunschziel studieren. Eine wichtige Fragen ist auch wer auf Tour kommt. Der menschliche Faktor spielt bei der Planung eine wichtige Rolle.

Planungsablauf:
•  Wann? (Datum)
•  Wo? (Welche Region)
•  Was? (Tour oder Variantenabfahrt)
•  Wer? (Wer kommt mit)
•  Wann? (zeitlich)
•  Material? (Was wird benötigt)

llb

Aktuelles Lawinenbulletin

Bei der Tourenplanung sind sehr viele Variablen zu Prüfen. Es sind eben nicht nur die Lawinengefahren zu beurteilen, sondern auch weitere Gefahren wie ungenügende Kondition, Dunkelheit, Kälte, menschlicher Faktor, Zeitmanagement usw.

Grobplanung –> Feinplanung –> Tourenauswertung

•  Lawinen- und Wetterverhältnisse prüfen
•  Gelände beurteilen
•  Gruppenmitglieder beurteilen
•  Interpretation des Lawinenlageberichtes
•  Die richtige/notwendige Ausrüstung
•  Auswertung der Tour

Ausser dem Board/Ski, der Bindung und den Schuhen ist alles eine Schutzausrüstung und somit keine Sportausrüstung im eigentlichen Sinn. LVS, Sonde und Schaufel hat jeder bei sich um bei einem Notfall zu helfen. Weitere nützliche Sachen unter Packliste. Weitere wichtige Infos bei Ski – und Splitboardtouren unter Rechte und Pflichten.

Wichtige Links

Informationen einholen wo immer möglich, diese aber auch kritisch hinterfragen.

Verhältnisse und Wetter
•  Lawinenlagebericht (LLB) slf.ch
•  Wetterverhältnisse vor Ort meteoblue.com
•  Neuschneeprognose bergfex.ch
–> WhiteRisk das es auch als App gibt, hilft bei der Planung.

Diverses
•   Schiessanzeigen der Schweizer Armee
•  Unter alpinesicherheit.ch werden aktuelle sicherheitsrelevante Vorkommnisse publiziert.
•  Naturverträglich unterwegs Empfehlung vom SAC
•  SAC Schwierigkeitsbewertung
•  Ausführliche Packliste für Materiel
•  Webkameras der Schweiz kaikowetter.ch
•  Wildschutzgebiete respektiere-deine-grenzen.ch
•  Europäische Lawinenwarndienste lawinen.org
•  Mobiltelefon Abdeckung Schweiz
•  Tipps gegen die Kälte

Planungstool Print Medien (mit Vorbehalt)
•  SAC Führer
•  Skitourenkarten
•  PowderGuide
•  Tourenatlas
•  FreerideMap
•  Outdoor-Guide

Planungstool online Medien (mit Vorbehalt)
•  map.geo.admin.ch !
•  whiterisk.ch !
•  hikr.org
•  outdooractive.com
•  gipfelbuch.ch
•  skitourenguru.ch

Dokumente
•  PDF Dokumente über die Benutzung und Massnahme vom LVS
•  Merkblatt Achtung Lawinen! (SLF Ausgabe 2018)
•  Abseits der Piste – Mehr Sicherheit beim Tiefschneefahren
•  Die 3×3 Regel bei bergpunkt.ch
•  LLB Interpretationshilfe

Was ist was?

Gefahr = Lawine, Feuer, Terroranschlag, Blitz
Exposition = Nähe, ein Risiko besteht nur dann, wenn eine Gefahr und die Exposition gemeinsam auftreten.
Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadensschwere
Wagnis = Bewusste Entscheidung, Handlung, Ethnisch

Risiko ist danach immer Teil eines Wagnis. Es gibt kein Wagnis ohne Risiken. Risiken sind aber nicht zwingend mit einem Wagnis verbunden. Ein solches erfordert vielmehr zusätzlich eine persönliche Handlungsentscheidung.

Gefahrenstufen

Das Lawinenbulletin (deutsch Lawinenlagebericht) ist eine in den Wintermonaten täglich erscheinende, amtliche Information zur Schneesituation und der Lawinengefahr für ein bestimmtes Gebiet. Es enthält insbesondere Informationen über:

  • Meteorologische Gegebenheiten in einer bestimmten Region
  • Schneedeckenaufbau und -stabilität
  • Lawinen-Auslösewahrscheinlichkeit
  • Auswirkungen für Verkehrswege und Siedlungen/Empfehlungen
  • Hinweise für Personen ausserhalb gesicherter Zonen/Empfehlungen
  • eine zusammenfassende Beurteilung der Lawinengefahr, angegeben durch die Gefahrenstufe.

Risikoreduktionsmethode GKMR

In den letzten Jahren ist die Beurteilung der Lawinengefahr viel über die Hangsteilheit definiert worden. Statistiken belegen, dass das so nicht haltbar ist. Neue Ansätze sind notwendig. Algorithmus-basierte Methoden wie die Grafische Reduktionsmethode haben Probleme. Die GKMR ist eine verbesserte Methode.
 
1. Gefahren erkennen = Wie hoch ist die Eintretenswahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung?
2. Konsequenzen abschätzen = Wie drastisch sind die Folgen?
3. Massnahmen überlegen = Welche Massnahmen können die Eintretenswahrscheinlichkeit verringern bzw. die Konsequenzen abmildern?
4. Risiko bewerten = Wie bewerte ich abschliessend das Risiko unter Berücksichtigung des Risikolevels meiner Gruppe
 
Vereinfacht gesagt gilt Risiko = Gefahr x Konsequenz.

Am Anfang jeder Planung steht nach wie vor der Lawinenlagebericht. Doch wichtiger als die Warnstufe sind die Informationen zum Lawinenproblem.

Somit Infos sammeln: Was sagt der Lawinenlagebericht (LLB)? Lawinenprobleme? Wo liegen Gefahrenstellen? Grenzt der Lagebericht Gefahrenstellen ein? (Exposition, Höhenstufe?) Wichtiges aus dem Gefahrenbeschrieb: Was wird im LLB an Zusatzinformationen gegeben? (Ist eine Auslösung bei geringer oder bei grosser Zusatzbelastung möglich oder wahrscheinlich? Sind Fernauslösungen oder Selbstauslösungen möglich?) Wie ist das Wetter und wie soll es werden? (Niederschlag, Wind mit Triebschnee, Sicht, Temperatur?) Schneedeckeninfos für das Gebiet: Gibt es zusätzliche Informationen zur Schneedecke und deren Aufbau (Schneeprofile, Stabilitätstests)? Gibt es Alarmzeichen? Usw.

Die GKMR Methode

G – Gefahr

Gefahrenstelle erkennen: Mit der 30-Grad-Methode werden die Gefahrenstellen erkannt und Checkpunkte festgelegt. Dazu werden alle Hänge über 30 Grad entlang und oberhalb der Route auf der Karte gesucht, unabhängig von der Gefahrenstufe. Liegt der Hang ausserhalb der Kernzone (im Lagebericht genannte Gefahrenstellen), wird er als günstig angenommen. Sind Fernauslösungen nicht zu erwarten (im LLB nicht genannt und kein Altschnee- oder Neuschneeproblem vorhanden), können auch angrenzende Hänge oberhalb der geplanten Route als günstig angenommen werden.

K – Konsequenzen

Konsequenzen abschätzen: Wie lang ist der Hang an der Schlüsselstelle? Je grösser ein Hang desto länger die Lawine und die Energie (Geschwindigkeit, Verschüttungstiefe). Wie viel Schnee gerät in Bewegung (Lawinengrösse)? Je breiter und tiefer ein Anriss erwartet wird, desto tiefer wird eine Verschüttung ausfallen und umso kleiner sind die Überlebenschancen. (Die Überlebenswahrscheinlichkeit korreliert eindeutig mit der Verschüttungstiefe.) Gibt es Geländefallen wie Abbrüche, Hindernisse, Gräben, die mechanische Verletzungen verursachen können oder die Verschüttungstiefe erhöhen? Sind sichere Sammelpunkte möglich? Ziel muss sein, dass maximal eine Person im Gefahrenbereich ist, damit alle anderen als Helfer eingreifen können.

M – Massnahmen

Massnahmen überlegen/ergreifen: Nun gilt es, sich Massnahmen zu überlegen, um den erkannten Problemen zu begegnen. Zum Beispiel kann eine mögliche Initialisierung durch Entlastungsabstände unwahrscheinlicher gemacht werden. Das ist der Fall, wenn der Lagebericht von „grosser Zusatzbelastung“ spricht. Denn durch Abstände und einzeln Fahren verringert man die Belastung auf die Schneedecke auf „gering“. Oder können die Konsequenzen durch das Nutzen von sicheren Sammelpunkten herabgesetzt werden. Gibt es Alternativen zur Schlüsselstelle (Umgehung)? Gibt es alternative Ziele?

R – Risiko

Risiko Bewertung: Zum Schluss wird das Risiko bewertet. Passt die Tour zu den vorherrschenden Verhältnissen und zu mir und meiner Gruppe? Ist das die richtige Tour für alle, mit denen ich unterwegs bin (Anzahl, Können, Motivation)? Zur Risikoreduktion gehört auch der Faktor Mensch dazu. Der Mensch ist wahrscheinlich noch dynamischer und komplexer, als die Prozesse, die sich in der Schneedecke oder Wetterentwicklung abspielen. Jeder kennst im täglichen Leben Entscheidungsfallen. Auf einer Tour, können die zum Risiko werden. Bekannte Beispiele für solche Entscheidungsfallen sind Folgende (allgemein bekannt unter der Abkürzung FACETS). © by projektberg.de



Entscheidungsstrategie (3×3)

Die Formel 3×3 entsteht durch die Beurteilung auf drei unterschiedlichen Ebenen (regional, lokal, zonal) anhand von drei Hauptfaktoren (Verhältnisse, Gelände, Mensch). Die Ebenen wirken dabei wie eine Art Filter, mit der Unterteilung in grob, mittel und anschliessend fein. Man geht dabei Schritt für Schritt vor, die Reihenfolge darf dabei nicht verändert werden.

EbeneVerhältnisseGeländeMensch
Regional
(Tourenplanung)
Lawinenlagebericht (LLB), Wetterprognose, ExperteninformationenKarte, Führerliteratur, Fotos, eigene GeländekenntnisseTeilnehmer, Ausrüstung, Kompetenz und Erfahrung, Führung
Lokal
(Vor Ort)
Schneelage, Überprüfung des LLB, Wetter (Sicht, Wind, Niederschlag, Temperatur)Beurteilung und Überprüfung mit meiner vorherigen VorstellungTeilnehmer, andere Gruppen, Kontrolle der Ausrüstung, Zeitplan überprüfen
Zonal
(Unterwegs / Einzelhangbeurteilung)
Neuschnee, Triebschnee, Sicht, Einstrahlung, Einzugsgebiet von SchneebretternOrientierung: Wer oder was ist über/unter mir? Steilheit, Exposition, Kammnähe, Höhenlage, HangformFührungstaktik / Vorsichtsmassnahmen, Kondition, Technik

Einsteiger

Deine Fähigkeiten

  • Kenntnis der Gefahrenstufe
  • Kenntnis vom Lawinenlagebericht
  • Orientierkenntnisse
  • Kartenlesen – Wo bin ich!

Deine Standardmassnahmen

  • Unter 30° Hangneigung bleiben
  • In kleinen Gruppen unterwegs sein
  • Sorgfältige Tourenplanung

Empfehlung für Einsteiger:

Mässig steilem Gelände unter 30° Hangneigung bei allgemein sicheren und mehrheitlich günstigen Verhältnissen. (Vorwiegend Stufe 1+2 im LLB)

Fortgeschrittene

Deine Fähigkeiten

  • Kenntnis der Gefahrenstufe
  • Kenntnis vom Lawinenlagebericht
  • Orientierkenntnisse
  • Kartenlesen – Wo bin ich!
  • Erkennen von Geländefallen
  • Wissen über typische Lawinensituationen
  • Sichere Ski/Snowboardtechnik

Deine Standardmassnahmen

  • Sorgfältige Tourenplanung
  • In kleinen Gruppen unterwegs sein
  • Angepasstes Reagieren vom LLB
  • Abstände und Einzelbefahrung

Empfehlung für Fortgeschrittene:

Mässig steilem Gelände unter 30° Hangneigung bei teilweise ungünstigen und allgemein ungünstigen Verhältnissen. (Vorwiegend Stufe 1+2 im LLB)


Haftung und Versicherung

Die Teilnahme an einer Tour erfolgt auf eigenes Risiko. Die Teilnehmende haben selber für genügenden Versicherungsschutz besorgt zu sein, insbesondere für Unfall und Bergung. Bestehende Krankheiten oder Medikamente welche sicherheitsrelevant sind, sollen dem verantwortlichen Tourenleiter/Bergführer rechtzeitig vor der Tour mitgeteilt werden.

Tourenauswertung

Ein Vergleich der durchgeführten Tour mit deiner Planung hilft Erfahrungen zu sammeln. Die Tourenauswertung hilft deine Planung immer weiter zu perfektionieren. Ohne Tourenauswertung sammeln wir nur wenig Erfahrung.

Wintersport

Der Wintersport abseits markierter Piste erfreut sich grosser Beliebtheit. In der Schweiz finden bereits etwa eine Million Ski- und Splitboardtouren jährlich statt. Das die Unfallzahlen dennoch konstant geblieben sind, wurde als Erfolg der Lawinenausbildung verbucht. Die Realität ist jedoch sehr vielfältiger. Zum einen werden vermehrt Lawinenausbildungen besucht, auf der anderen Seite dringen Benutzergruppen ins alpine Gelände, die nicht wissen was genau sie machen. Es ist erstaunlich das immer noch sehr viele Wintersportler das 3×3 oder die GRM / GKMR Methode nicht kennen und mit einem Achselzucken reagieren. Wer während seines Lebens viel im alpinen Gelände unterwegs war, muss noch lange nicht erfahren sein. Sich selber Wissen aneignen ist gut, aber auch Zeitintensiv und ob man auf dem richtigen Weg ist kaum selber zu beurteilen. Denn nur Weil auf den letzten 100 Touren nichts passiert ist, heisst das nicht, dass man auch sicher unterwegs war! Eine Weiterbildung im Risikomanagement im Tourenbereich ist empfehlenswert. Ich freue mich dich als Schneeport Experte in meinen Kursen begrüssen zu dürfen.